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Dunkelretreat Ablauf: Eine Woche im Dunkeln, Tag für Tag

22. Oktober 2026

Dunkelretreat Ablauf: offene Tür der Hütte der Freundschaft vor dem Lichtausschalten

Samstag, gegen Abend. Du stehst mit einem kleinen Rucksack vor einer Holzhütte in unserem Obstgarten, hinter dir ein paar Stunden Autobahn, vor dir sieben Tage ohne Licht. Was passiert jetzt eigentlich, und was an den Tagen danach? Lenka und ich begleiten seit 2013 Menschen ins Dunkelretreat, über 3000 waren es bisher, und ich war selbst eine Woche drin. Hier ist der Ablauf so, wie er bei uns meistens aussieht, Tag für Tag. Bei dir wird es anders sein. Ungefähr so aber auch.

Vor dem Dunkelretreat: die Woche davor

Der Ablauf fängt eigentlich schon zu Hause an. Nach der Reservierung zahlst du innerhalb von 5 Tagen die Hälfte, dann ist dein Termin fest. Wann genau du am Anreisetag kommen sollst, schicken wir dir mit der Bestätigung.

Die wichtigste Vorbereitung hat mit Dunkelheit wenig zu tun: Sorg dafür, dass dich eine Woche lang niemand braucht. Wer im Kopf noch die offene Rechnung, den Kunden und den tropfenden Wasserhahn mitnimmt, nimmt sie auch mit in die Hütte. Und pack wenig ein. Bequeme Kleidung, vielleicht Schreibzeug, Süßes für zwischendurch. Alles, was du mitbringst, musst du im Dunkeln wiederfinden.

Samstag: Ankommen und selbst das Licht ausschalten

Angereist wird meistens am Samstag gegen Abend. Kommst du mit dem Zug, holen wir dich in Bykáň, Čáslav oder Kutná Hora ab. Dann geht es zur Hütte, solange noch Licht brennt. Du lernst sie mit offenen Augen kennen: wo das Bett steht, wie viele Schritte es bis zur Dusche sind, wo der Wasserkocher wohnt. Dann legst du alles an seinen Platz und gehst die Hütte noch einmal mit den Händen ab.

Und dann kommt der Moment, vor dem viele den meisten Respekt haben. Niemand schaltet dir um eine bestimmte Uhrzeit das Licht ab. Das machst du selbst, wenn du so weit bist. Ein Teilnehmer hat genau das hinterher als großen Vorteil beschrieben: zehn, zwanzig Minuten durchatmen, noch einmal alles betasten und dann selbst auf den Schalter drücken. Wer freiwillig ins Dunkle geht, geht anders hinein.

Die erste Nacht ist bei den meisten unruhig. Der Körper ist es nicht gewohnt, um diese Uhrzeit im Dunkeln zu liegen, und der Kopf ist noch auf der Autobahn. Das ist normal und sagt nichts darüber, wie die Woche wird.

Sonntag: Klopfen an der Tür

Den ersten Tag im Dunkeln erkennst du nicht am Licht, sondern an Geräuschen. Ein Hahn, ein Hund, Vögel, irgendwann Schritte auf dem Weg und ein Klopfen. Das ist das Essen. Wir bringen es einmal am Tag, vegetarisch, in Thermobehältern, meistens irgendwann zwischen 11 und 15 Uhr und absichtlich nicht immer zur gleichen Minute. Dazu gibt es Obst.

Essen im Dunkeln ist eine kleine Entdeckungsreise. Du merkst erst im Mund, was du auf der Gabel hast. Manche fragen beim Übergeben, was es gibt. Andere wollen es lieber nicht wissen und raten. Beides ist erlaubt. Den Rest des Sonntags verschlafen die meisten, und das ist genau richtig so.

Montag: Der Körper holt nach

Am zweiten und dritten Tag wird geschlafen, gedöst, wieder geschlafen. Ein Teilnehmer hat uns erzählt, dass er am ersten Tag rund sechzehn Stunden durchgeschlafen hat, mit kleinen Pausen. Wer sich vorgenommen hat, im Dunkeln endlich über sein Leben nachzudenken, ist manchmal enttäuscht, dass der Körper zuerst andere Pläne hat. Lass ihn. Das Nachdenken kommt noch. Meistens. Und bei wem es nicht kommt, bei dem kommt noch mehr Schlaf, und der ist auch nicht das Schlechteste.

Dienstag: „Was mache ich hier eigentlich?“

Irgendwann um diesen Tag herum meldet sich bei fast allen die Langeweile. Oder die Unruhe. Oder ein sehr überzeugender innerer Anwalt, der dir in Ruhe erklärt, warum das hier sinnlos ist, warum du eigentlich zu Hause sein solltest und warum ein normaler Mensch jetzt einfach das Licht anmachen würde.

Der Kopf macht fast alles, um dich aus der Dunkelheit herauszuholen. Das ist sein Job, er ist es gewohnt, ständig beschäftigt zu werden. Was du tun kannst? Nichts. Atmen und es da sein lassen. Die Argumente deines inneren Anwalts darfst du dir anhören und dann fröhlich ignorieren 🙂

Und wenn es wirklich nicht mehr geht, bist du nicht allein. Wir sind jeden Tag da, und manchmal reicht schon ein Gespräch an der Tür. Ein Teilnehmer, der eine Woche geblieben ist, hatte genau am dritten Tag seine Krise. Wir haben geredet, er hat wieder Boden unter den Füßen gespürt, und danach ist es mit jedem Tag besser geworden.

Mittwoch: Bei vielen kippt es

Ist der Schlaf nachgeholt, bleibt mehr Zeit im Wachsein, und die Dunkelheit fühlt sich anders an. Weniger wie eine Prüfung, mehr wie ein Raum. Eine Teilnehmerin, die zum ersten Mal und gleich eine Woche da war, hat es genau gezählt: Die ersten Wahrnehmungen und das Stillwerden kamen bei ihr am Mittwoch gegen Abend, nach dreidreiviertel Tagen. Bei manchen passiert das früher, bei manchen später. Den Tag kann dir keiner vorhersagen.

Am Mittwoch gegen Abend kommen übrigens auch diejenigen an, die drei Nächte gebucht haben. Sie haben dann bis Samstagvormittag Zeit.

Donnerstag: Zeit hört auf, eine Rolle zu spielen

Wer eine Woche bleibt, verliert um diese Zeit meistens das Gefühl dafür, welcher Tag ist. Manche zählen trotzdem die Mahlzeiten mit, andere geben es auf. Gedanken und Gefühle, die du sonst wegschiebst, kommen jetzt vorbei. Das ist nicht immer angenehm, aber es ist ehrlich. Manche sehen innere Bilder, Farben oder Formen. Das ist nicht die Regel, aber es kommt vor.

Was du in diesen Tagen tust, entscheidest du. Liegen, sitzen, dich bewegen, singen, ein Instrument spielen, wenn du eins mitgebracht hast. Es gibt keinen Plan, den du erfüllen musst, und niemand prüft am Ende, ob du richtig im Dunkeln warst.

Freitag: Der letzte Tag

Jetzt passiert etwas Merkwürdiges. Viele, die am Dienstag noch jede Stunde gezählt haben, wollen plötzlich nicht mehr raus. Andere freuen sich auf das Licht wie Kinder auf Weihnachten. Beides ist in Ordnung. Wenn du magst, kannst du den letzten Tag bewusst nutzen: noch einmal nachspüren, was in dieser Woche war, und was davon du mitnehmen willst.

Samstag: Zurück ins Licht

Die meisten beenden ihr Dunkelretreat am Samstagvormittag, viele gehen gern im Morgengrauen hinaus, wenn das Licht langsam kommt und die Augen mitkommen können. Die ersten Minuten draußen sind für viele der stärkste Moment der ganzen Woche: Farben, Gerüche, Luft. Eine Teilnehmerin sagte an der Tür nur, sie sei dankbar, dass sie sehen kann.

Gib dir für diesen Tag Zeit. Setz dich nach Möglichkeit nicht gleich ans Steuer, einige Teilnehmende konnten in den ersten Stunden Entfernungen schlecht einschätzen. Ein Spaziergang durch den Garten, ein Gespräch, ein Kaffee im Sitzen: Das ist jetzt genau das richtige Tempo.

Nach dem Dunkelretreat: die Woche danach

Auch die gehört zum Ablauf, auch wenn sie nicht mehr bei uns stattfindet. Fast jeder sagt beim Abschied, er wolle sich ein Stück Dunkelheit mit nach Hause nehmen. Ob das gelingt, entscheidet sich in den ersten Tagen zurück. Wer gleich am Montag wieder mit Vollgas in alle Termine springt, ist die Ruhe schnell los. Plan dir lieber noch ein paar leise Tage ein.

Und bei drei Nächten oder einer Nacht?

Dann ist alles kürzer, und der Schlaf nimmt einen größeren Teil ein. Bei drei Nächten kommst du am Mittwoch gegen Abend an und gehst am Samstagvormittag. Du lernst die Dunkelheit kennen und merkst, was sie mit dir macht. Viele sagen hinterher, es sei gut gewesen, aber sie wollen mehr. Was welche Länge bringt, habe ich im Artikel Wie lange sollte ein Dunkelretreat dauern? aufgeschrieben. Und was Teilnehmende selbst erzählen, findest du unter Dunkelretreat Erfahrungen.

Bevor du buchst, lies bitte noch die Seite Sicherheit und Kontraindikationen. Ein Dunkelretreat ist nicht für jeden und nicht für jede Lebensphase das Richtige.

Wir freuen uns auf dich – Tom & Lenka